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Motorrad-Reise zwischen Glens und Lochs und Castles

Motorrad-Reise zwischen Glens und Lochs und Castles
Tourdaten

Kilometer | Tage | Höhenmeter

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Das einzigartige Schottland-Gefühl

Als mystisch, ja auch melancholisch wird dieses Land beschrieben, mit seiner teils düster und schwer lastenden Historie, die sich in unzähligen massiven Trutzburgen, imposanten Schlössern und mahnenden Kirchenbauten widerspiegelt. Touristische Highlights heutzutage, die uns auf unseren Touren über einsame Landstraßen, durch pittoreske Dörfer und Städtchen bis hinein in die quirligen Zentren der Großstädte immer wieder innehalten lassen, sie zu bestaunen, über deren lang zurückliegende Vergangenheit nachzudenken.

„I could spend hours in here studying the beautiful colored glass windows …“ Wahre Worte eines Reisenden, der es uns wohl gleich tat in einer der beeindruckenden Kathedralen, hier beim Betrachten der Glasfenster in St Giles’ Cathedral an der High Street in Edinburgh. Auch er mag wohl in den Genuss gekommen sein, wenn im Schein der Nachmittagssonne die bunt schimmernden Glasfenster und deren biblische Motive förmlich zu glühen beginnen, die Figuren der Geistlichen in einer Lebendigkeit erstrahlen, als hätten sie erst gerade eben ihren Weg zwischen die kunstvollen Bleiverglasungen aus dem tiefsten Mittelalter gefunden.

Doch Edinburgh mit seinem monumentalen Castle und all den anderen geschichtsträchtigen und berühmten Bauten, Denkmälern, Straßen und Plätzen erreichen wir erst zum guten Schluss unserer Tour, die am Fährhafen in Newcastle, noch auf englischem Boden, sieben Tage früher beginnt.

St. Giles’ Cathedral
St. Giles’ Cathedral

St. Giles’ Cathedral

Hinein in die Highlands

Helensburgh stellt den ersten Anlaufpunkt dar, knapp 45 Kilometer nordwestlich von Glasgow gelegen. Die Kleinstadt am „Firth of Clyde“ auf der Atlantikseite gelegen, empfängt uns am frühen Abend mit ihrer eher stillen Seepromenade, lädt ein zum geruhsamen Abspannen, nachdem wir unser Bed & Breakfast „Killin Cottage“ bei Franca bezogen haben. Die empfängt uns mit bestem Schweizer-Deutsch, entpuppt sich als freundliche Gastgeberin, die nach langer Weltreise nun seit über zehn Jahren im lauschigen Helensburgh beheimatet ist. Den Abend lassen wir in einem zünftigen Pub direkt an der Seepromenade gemütlich ausklingen.

Loch Lomond & The Trossachs National Park

Loch Lomond & The Trossachs National Park

Nach einem leckeren Frühstück am nächsten Morgen erhalten wir von Franca wertvolle Reisetipps für die weitere Exkursion gen Norden, auf der malerisch verlaufenden A82 und entlang des Loch Lomond, als größter und wohl „schönster See Schottlands“ beschrieben. Wir statten dem üppig mit bunten Blumen geschmückten, alten Dorf Luss am westlichen Ufer einen Besuch ab, um hernach noch einen Abstecher auf der A814 rüber und entlang des Loch Long zu fahren.

Wasserfälle von Invermoriston

Wasserfälle von Invermoriston

Loch Ailort nahe Loch Linnhe (Fort William)

Loch Ailort nahe Loch Linnhe (Fort William)

Am Abend landen wir in Arrochar am Lochside Guest House, das uns mit komplett frisch renovierten Räumen und einem lauschigen Parkplatz geschützt hinterm Haus direkt am Wasser empfängt. Diana serviert uns am nächsten Morgen das Frühstück im neuen Wintergarten mit Seeblick. So gestärkt soll uns dieser Tag an die 210 Kilometer weiter nordwärts führen, rauf zum sagenumwobenen Loch Ness, bis hin nach Drumnadrochit.

Die A82 hält jede Menge Fahrspaß für uns bereit, gespickt mit aufregenden wie entspannenden Passagen und immer wieder mit überraschend auftauchenden Anblicken, die uns innehalten lassen. Sei es das uralte Inveranan Drovers Inn von 1705, mit verwitterter Steinfassade und dem in zahlreichen Kaskaden wild gen Tal stürzenden Wasserfall dahinter auf der anderen Seeseite. Oder der in einsamer Landschaft gelegene, quirlige Treffpunkt für alle Arten von Mobilisten bei Tyndrum, die Tank- und Raststelle mit Namen „The Green Welly Stop“, mit zahlreichen Mopedtreibern beim Rasten und Benzinreden.

Die Farben Schottlands

Inverness

Inverness

Immer wieder und überwältigend rasch wechseln die Himmelsfarben ebenso wie die der weitläufigen Hügel- und Tallandschaften. Atemberaubend, wie weit der Blick über die einzigartige Landschaft des Moors von Rannoch reicht. Eingetaucht in die weite Heidelandschaft, die jetzt im September in milden lilagelbbraunen Tönen schimmert, nur hier und da unterbrochen vom rauen Felsgestein oder den sich darüber im Wind wiegenden Birken. Und immer mal wieder die feinen Regenperlen, die die Luft feucht werden lassen, bis der nächste Regenbogen bereits den nachfolgenden Sonnenschein ankündigt.

Der begleitet uns, bis wir am frühen Nachmittag Fort William erreichen, die größte Stadt der westlichen Highlands, ganz am südlichen Ende des Great Glen gelegen. Mit seiner exponierten Lage an dem heute von starken Brisen aufgefrischten Loch Linnhe, auf dem die Boote im Hafen und weiter draußen heftig hin und her tanzen. Bei dem strahlenden Sonnenschein über dem aufgefrischten See drängt sich der Gedanke an ein schottisches Lugano auf.

Culloden

Culloden

Ganz in der Nähe von Fort William lässt sich der Ben Nevis als höchster Berg Großbritanniens erkunden, der die Stadt zu einem touristischen Zentrum gemacht hat. Viel Trubel herrscht auch im beschaulichen Fort Augustus am Südende des sagenumwobenen Loch Ness. Unseren nächsten Stopp legen wir wenige Kilometer später an den rauschenden Wasserfällen von Invermoriston ein. Alte Steinbrücken aus den 1820er Jahren überspannen hier die wilden Wasserläufe, locken mit ihren Sichtmöglichkeiten auf die riesigen Felsbrocken und die tobenden Wassermassen.

Rundreise um den legendären Loch Ness

Glen Affric bei Glen Cannich

Glen Affric bei Glen Cannich

Weiter geht‘s nach Drumnadrochit. Mit seinem geschäftigen Treiben lockt es zum Pausieren. Zum Whisky-Kosten in der heimischen „Fiddlers-Distillery“ ist es noch zu früh, also steuern wir nach lecker Kaffee und Kuchen lieber die nächste Unterkunft an, das Glenurquhart House, einige bewegende Fahr-Kilometer über die A831 vom Ortskern entfernt, ganz allein auf einer sanften Anhöhe gelegen mit Blick auf Loch Meiklie. Hier bleiben wir für zwei Nächte, können die nächste Tagestour also ganz ohne Gepäck starten. 

Am nächsten Morgen zieht es uns zunächst weiter auf der A831 Richtung Glen Cannich, wir lassen uns vom freundlichen Küster die kleine Kirche von Cannich zeigen und bestaunen wenig später die verwitterte Telefonzelle an einem einsam gelegenen Hof, während hinter uns die sanften Wellen des Loch Carrie leise ans Ufer plätschern. Noch mehr tiefere Einsamkeit ließe sich sicherlich finden, aber wir wenden und kehren zurück in die Zivilisation, auf zur Rundtour um den Loch Ness.

Im weiteren Verlauf der A82 entdecken wir das auf der anderen Seeseite gelegene, imposante Castle Aldourie, rauschen dann weiter und durch Inverness, die nördlichste Stadt im Vereinigten Königsreich. Wir lassen uns weiter treiben Richtung Cullodon, wo an diesem Sonntag rund um das Kriegsdenkmal des Battlefield von 1746 reger Besucherandrang herrscht.

Wir aber wollen lieber bald wieder Wasser sehen, nehmen uns dafür den Hafen von Nairn am Südufer des Moray Firth vor. Der nahe Strand dort an der Nordseeküste der Highlands mutet an wie in der Normandie gelegen und lockt im Sommer sicherlich zum ausgiebigen Badespaß. Den soll schon Charlie Chaplin hier genossen haben. Wir genießen es, in warmer Motorrad-Montur bequem im Sand zu liegen und einem Anflug von lässigem Sommerurlaub nachzuspüren.

Nach Fish’n’Chips in der Stadt treiben wir unsere Kräder wieder hinaus, um noch eine Burg zu nehmen. Doch das Castle bei Caldow hat bereits seit 17 Uhr geschlossen. Das warme Abendlicht entschädigt uns dafür auf der Rückfahrt nach Drumnadrochit und auf einer Brücke bei Inverness beeindruckt uns das Lichterspiel der Stadt bei einbrechender Dunkelheit.

Am nächsten Tag starten wir vom Glenurquhart House durch, nehmen die Festung Urquhart Castle in Augenschein und folgen unserer Route über die A82 und A9 Richtung Perthshire. Als Krönung unserer Schlösser- und Castle-Besichtigungen beziehen wir eine fürstlich ausgestattete Kemenate im Atholl Palace, oberhalb von Pitlochry. Am Abend vergnügen wir uns im hübschen Pitlochry mit seinen illustren Läden, stilvollen Lokalen und Pubs.

Die lebhaften Straßen von Edinburgh

Steinbogenbrücke über den River Tay (Dunkeld)

Steinbogenbrücke über den River Tay (Dunkeld)

Am folgenden Tag verabschieden wir uns nach einem opulenten Frühstück im stilvollen Wintergarten-Anbau des altehrwürdigen Atholl Palace von den Highlands Richtung Edinburgh. Aber vorher besichtigen wir in Pitlochry noch die Manufaktur der Heathergems, die in einem nur hier zu sehenden Produktionsverfahren Schmuck aus Heidekraut herstellen. Einige Teile wandern als einzigartige Souvenirs ins Gepäck und weiter geht‘s nach Dunkeld. Eine gute Idee, wie sich herausstellt. Die alte Steinbogenbrücke von 1809 führt uns über den mächtigen River Tay hinein ins Zentrum der Stadt mit ihren Häusern aus dem 17. Jahrhundert, die sich um die Ruine der Kathedrale von Dunkeld gruppieren. Der monumentale Langbau von 1326 blickt auf eine aufregende Geschichte zurück, ragt in imposanter Größe gen Himmel, mitten in einem Park, der sich bis an den breiten Flusslauf erstreckt.

Aussicht auf Edinburgh vom Calton Hill mit Dugald Stewart Monument

Aussicht auf Edinburgh vom Calton Hill mit Dugald Stewart Monument

Die Ruhe des träge dahinfließenden Stroms lädt zum Verweilen ein. Wir schlemmen im nahen, kleinen Café den selbst gebackenen Kuchen, nehmen dann bestens gesättigt endlich die Fahrt in südöstlicher Richtung gen Schottlands Hauptstadt Edinburgh auf.
Starke Winde setzen uns auf der A9 und nachfolgend auf der M9 zu, doch so richtig „amüsant“ wird es erst auf der A90, als wir den Firth of Forth auf der ellenlangen und super hohen Forth Bridge überqueren. Der Sturm beutelt die Kräder heftig. So bleibt uns leider keine ruhige Minute, der parallel verlaufenden imposanten Eisenbahnbrücke aus 1890 auch nur ein Quäntchen Aufmerksamkeit zu widmen.

In der Stadt angekommen, fordert uns der rege Straßenverkehr am Nachmittag bei der Suche nach der nächsten Herberge, dem 23 Mayfield. „Are you lost?“ fragt uns ein freundlicher Edinburgher und lotst uns mit seiner alten BMW K 100 quer durch die quirlige Hauptstadt bis fast zur Haustüre des Hotels.

Nach diesem freundlichen Empfang folgt ein weiterer durch Gastgeber Andrew, als er uns die hochherrschaftliche Tür zu diesem edlen Stadthaus öffnet, in dem wir zwei Nächte logieren werden. Von 1868 stammt das klassische Gebäude, wie Andrew uns stolz erzählt. Das Haus und seine Besitzerin haben eine Menge Auszeichnungen erhalten, wie die zahlreichen Urkunden im Eingangsbereich beweisen. Die stilvolle Ausstattung der Räume, der aufmerksame Service und erst recht das liebevoll zubereitete, exquisite Frühstück, das alles vereinnahmt uns voll und ganz.

Im Treiben der pulsierenden Stadt

Edinburgh Castle

Edinburgh Castle

St. Giles’ Cathedral

St. Giles’ Cathedral

Das 23 Mayfield erweist sich als optimale Basis für unsere Ausflüge in die schottische Hauptstadt. Wir starten am nächsten Morgen zunächst per Krad zum nahe gelegenen Arthur’s Seat, dem Hausberg von Edinburgh, mit einem fantastischen Ausblick über die gesamte Stadt. Später geht es dann zu Fuß direkt ins Zentrum der Stadt. Ab der North Bridge steht die Kamera überhaupt nicht mehr still. Bei jeder Drehung entstehen neue Ansichten und Perspektiven, kommen neue beeindruckende Gebäude in Sicht. Wir lassen uns treiben, über die berühmte Royal Mile, lauschen den Klängen einer schottischen Dudelsack-Kapelle vor dem National-Museum, klettern den Fairplay Step hinauf, bis zur Festung, dem Edinburgh Castle, genießen von dort nochmal das prächtige Panorama aus einem anderen Winkel. Wieder zurück ins Treiben der pulsierenden Altstadt holen wir uns endlich die Muße in St Giles Cathedral, von der der Anfang dieser Geschichte erzählt.

Edinburgh mit all diesen beeindruckenden Gebäuden, Plätzen und Straßen, mitsamt seinen Menschen aus aller Herren Länder, verlassen wir am achten Tag gen Newcastle – über die nochmal aufregend zu fahrende A68 – in der Gewissheit: Schottland wird uns wiedersehen. Das steht so fest wie das Amen in St Giles Cathedral.

Text: Sabine Welte
Fotos: Marten Suhre; Louis; Welte;
Claudia Werel, VisitScotland

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