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Alpine Drei-Länder-Motorrad-Tour

[image: Alpine Drei-Länder-Tour]
[image: Tourdaten]

Kilometer | Tage | Höhenmeter

[image: Map]

Motorrad-Reise durch das westliche und südliche Tirol

Ein Aufenthalt im Westen Tirols lädt unweigerlich zu einer Tour über die Grenzen in die Schweiz und nach Südtirol ein. Fahrspaß, Natur und Kultur gehen bei unserem Vorschlag einen harmonischen Dreiklang ein. Von unserem Standort im Kaunertal geht es zunächst einmal hinaus nach Prutz und auf die Reschen Bundesstraße. Dieser folgen wir aber nur für kurze Zeit, denn die gut ausgebaute Strecke verlockt doch zu sehr zum möglicherweise teuren Speeding. Außerdem bietet die alte Reschenstraße, in Teilen noch parallel verlaufend, neben Ruhe und kurvenreicherem Vergnügen auch den Vorteil, dass wir dem Inn, dem Namensgeber für Tal und Region, näher sein können.

Da wir zeitig aufgebrochen sind, denken wir kurz über einen Abstecher nach Samnaun nach, entscheiden uns dann aber doch dagegen. Schließlich sind die Bikes vollgetankt und nach Tax-Free-Shopping steht uns nicht der Sinn. Vielleicht auf der Rückrunde.

[image: Alpine Drei-Länder-Tour]

Fahrt durch verwunschene Märchenwälder und enge Schluchten

Also rollen wir nur wenige Kilometer später in die Schweizer Eidgenossenschaft ein – genauer gesagt ins Unter-Engadin. Von hier rauscht der Inn durch die wildesten Schluchten wie etwa die Finstermünz aus Helvetien in die Alpenrepublik. Als erstes fallen in dem engen Hochtal die merkwürdigen Ortsnamen ins Auge: Ramosch, Sent, Scuol, Tarasp, Ardez, Susch – Schwizzerdütsch ist das nicht gerade. Kann es auch nicht sein, denn das Engadin ist das rätoromanische Herzstück der Schweiz. Hier hat sich noch dieser altdeutsche Sprachstamm erhalten, als Bündnerromanisch und in Abwandlungen als Rumantsch Ladin – was in keinster Weise zu verwechseln ist mit dem Ladinischen aus der gleichnamigen Enklave in Südtirol.

Das ursprüngliche, früher abgeschiedene Hochtal ist vom starken Zuzug in die Eidgenossenschaft nicht verschont geblieben. Aus kleinen Dörfern sind schmucke Gemeinden geworden – jedenfalls nach dem Geschmack der Ansässigen. Wir sehen lieber zu, dass wir diesen Teil der Region zügig durchstreifen. Zwischen den Ortschaften gibt es immer wieder genug Zeit für Entspannung, wenn es mit Schweiz typischem Tempo 80 durch enge Schluchten und verwunschene, düstere Märchenwälder geht.

Bei Susch öffnet sich der Talkessel zum weitläufigeren Ober-Engadin hin. Mondäne Orte wie Davos im Westen und St. Moritz weiter südlich sind seit Jahrzehnten touristische Aushängeschilder des Kantons Graubünden, zu dem das Engadin gehört. Locken können uns die „globalen Dörfer“ und ihr Glamour aber nicht, uns zieht es mehr in Richtung Natur. Das gelingt uns bei Zernez mit dem Abzweig ins Val dal Spöl und damit in Richtung Schweizer Nationalpark. Die Strecke hinauf zum 2.149 Meter hohen Ofenpass ist zwar gut ausgebaut, kann aber dennoch mit rhythmischem Kurvenschwung verzücken.

Gut, dass wir heute die Moto Morini Granpasso dabei haben, sie zeigt sich als perfekter Partner für diese entspannte Runde. Freudig hängt der 1200er am Gas, das Fahrwerk ist auch mit zwei Personen nie überfordert. Und so brabbelt der Zweizylinder angenehm vor sich hin, als es in immer höhere Lagen bis ganz hinauf auf den Scheitelpunkt des Ofenpasses geht. Der ungewöhnliche Name dieser Alpenquerung geht auf frühe Eisenschmelzen zurück, die einst in der Umgebung des Passes betrieben wurden. Hier wurden die Erze aus den umliegenden Bergwerken verarbeitet.

Wer sich die Mühe macht und vom Pass aus eine nur kurze Wanderung wagt, stößt noch heute auf historische Pfade, entlang derer Reste und Ruinen überall in der Landschaft stehen. Besonders die gemauerten Hochöfen sind dabei augenfällig. Hütten und Bergwerke hatten natürlich einen enormen Bedarf an Brennholz. Das sieht man selbst nach der Wiederaufforstung der vergangenen Jahrzehnte den einst zahlreichen Wäldern im weiten Umkreis um den Pass noch immer an. Als Ende des 19. Jahrhunderts Bergbau und Verhüttung zurückgingen, war das Gebiet um den Pass recht schnell nur noch dünn besiedelt. Dafür hielten die Wildtiere wieder Einzug – hier lebten bis Ende des 19. Jahrhunderts Wölfe und Bären. Da war es nur folgerichtig, dass hier 1914 der Schweizerische Nationalpark gegründet wurde. Und erst 2006 wurde sogar ein Braunbär gesichtet, den man bis dato im Engadin für ausgestorben hielt.

Mehr als 700 Höhenmeter sind von Zernez aus bis zur Passhöhe überwunden. Allerdings ist die Nordwest-Rampe sanft ansteigend, nimmt sie sich doch mehr als 21 Kilometer Zeit dafür. Anders sieht die Abfahrt ins Val Müstair aus: Auf sechs Kilometern geht es hier fast 500 Meter in die Tiefe – mit maximal 14,3 Prozent Gefälle bis nach Tschierv, das auf 1.660 Metern liegt.

[image: Alpine Drei-Länder-Tour]
[image: Alpine Drei-Länder-Tour]

Gastspiel in heiligen Hallen und Kaffee bei Plinio

Das Val Müstair ist ein ganz besonderes Gebiet. Seit Anfang 2009 ist das ganze Tal mit seinen Ansiedlungen eine Gemeinde. Doch gerade mal gut 1.650 Einwohner verteilen sich hier auf eine 200 Quadratkilometer große Fläche mit den Hauptorten Santa Maria und natürlich Müstair, bekannt für seine schmucken, von prächtigen Fassadenmalereien verzierten Häuser und das UNESCO Weltkulturerbe des Bendiktinerklosters St. Johann. Nach den fahrerischen Aufs und Abs am Ofenpass nehmen wir also die Gelegenheit wahr, eine Pause einzulegen und zunächst dem Kloster einen Besuch abzustatten.

Erst im vergangenen Jahrhundert erlangte die Stiftungsanlage ihre herausragende kulturgeschichtliche Bedeutung, als Fresken entdeckt wurden, die zweifelsfrei dem karolingischen Zeitalter zugeordnet werden konnten. In Folge konnte die Gründung auf Karl den Großen zurückgeführt und auf das Jahr 775 datiert werden. Kaum irgendwo sonst gibt es eine ähnliche Ansammlung frühmittelalterlicher Sakralkunst als im Kloster von Müstair. Und damit erklärt sich auch der Ortsname. Es ist die romanische Abwandlung des Begriffs „Monasterium“ (Kloster).

Nach diesem besinnlichen Gastspiel in heiligen Hallen gönnen wir uns Kaffee und Kuchen bei Plinio. Er ist der Hotelier im Münsterhof, einem Bikerhotel in Müstair. Und er ist zudem Initiator des „Ironman“, einer Ausdauerprüfung für Motorradfahrer. Dazu ist in den zwölf Stunden zwischen acht Uhr morgens und 20 Uhr abends eine vorgeschriebene Strecke von gut 400 Kilometern durch drei Länder und über sieben große Pässe zurückzulegen. Erfolgreichen Teilnehmern winkt eine Bronzeplakette und der Eintrag an der „Wall of Fame“ des Hotelbetriebs.

Da wir die Zeit für ein solches Unterfangen nicht mehr haben, machen wir uns nach Bündner Leckereien allmählich auf den Weg gen Italien. Dazu fahren wir eine Handvoll Kilometer zurück nach Santa Maria und biegen hier zum Umbrail ab. Der macht mit der Granpasso besonders auf seinem ungeteerten Abschnitt reichlich Freude, und als wir den Scheitel auf 2.503 Metern und damit die Staatengrenze erreichen, steht uns das Grinsen ins Gesicht gemeißelt.

[image: Alpine Drei-Länder-Tour]

Stilfserjoch mal anders: 48 Kehren talwärts

Die Freude wird auch nicht dadurch getrübt, dass wir uns kurze Zeit später bereits auf den 2.757 Metern des Stilfserjochs befinden, seine 48 Ostrampenkehren aber heute mal tal-, anstatt wie sonst immer, bergwärts meistern. Im Gegenteil: In dieser Richtung eröffnen sich uns ganz neue Perspektiven von Strecke und Umgebung, sprich: der Ortlergruppe. Abwärts mal einfach nur rollen zu lassen kann auch eine Er„fahr“ung sein.

Von Prato aus nehmen wir die kaum befahrene Nebenstrecke nach Glurns und genießen im mittelalterlichen Ambiente der kleinen Vinschgauer Festungsstadt einen doppelten Espresso. Der Stand der Sonne gemahnt schon zur Heimkehr. Also lassen wir es zum Reschensee hinauf auf der gut ausgebauten, aber auch verkehrsreichen Strecke etwas zügiger angehen. Schließlich sind wir in Bella Italia, der Heimat unserer Granpasso. Am Reschensee darf natürlich der obligatorische Fotostopp vor dem aus dem Wasser des Stausees ragenden Kirchturm nicht fehlen. Wir halten uns aber nicht allzu lange auf, sondern überqueren gleich hinter der Passhöhe auf 1.508 Metern die in EU-Zeiten kaum mehr wahrnehmbare Grenze nach Österreich, rollen noch bis Nauders aus und gönnen der Granpasso in der Alpenrepublik eine Ladung günstigen Sprit. Dann stoßen wir noch hinab ins obere Inntal, zurück auf die Reschenstraße, die uns wieder zum Kaunertal und einem leckeren Abendmenü bei Bikerwirt Charly im Hotel Weisseespitze bringt. Für einen Abstecher nach Samnaun hat es dann doch nicht mehr gereicht. Nun denn, ein anderes Mal ...

[image: Alpine Drei-Länder-Tour]

Samnaun

Eine Alternative zur beschriebenen Route kann wie folgt aussehen: Man spare sich Umbrail und Stilfserjoch. Stattdessen geht es von Müstair aus direkt nach Glurns und weiter über den Reschenpass nach Nauders. Hier links abzweigen zurück in die Schweiz nach Martina und dann bis kurz vor die Grenze zu Österreich fahren. Da geht dann der Abzweig links nach Samnaun hinauf. Die erst 1905 entstandene Straße ist eng und kurvenreich. Sie klebt schier an den Felswänden und ist für Motorradfahrer ein Genuss. Besser ausgebaut ist die zuvor einzige Zufahrt über Tiroler Boden, der Samnaun auch seinen Status als zollfreie Enklave zu verdanken hat.
Bedingt durch die geographische Lage wurde die Gemeinde Schweizer Zollausschlussgebiet. Am Grenzübergang kontrolliert der österreichische Zoll. Der zollfreie Einkauf in Samnaun lohnt sich vor allem für Benzin, Zigarren, Spirituosen, Kosmetik sowie Uhren, Schmuck und Parfüm. Das Dorf ist deshalb eine bekannte Touristenattraktion geworden.

Weitere Infos
www.samnaun.ch »

Dieser Tourentipp wurde von der Redaktion des Magazin ALPENTOURER erstellt. ALPENTOURER erscheint vier Mal im Jahr mit Infos zu den schönsten Motorradtouren zwischen Alpen und Adria.

[image: Alpentourer]

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