Bremsen tunen

Wer besser bremsen will, braucht bessere Bremsen. Wie man mehr aus seinen Motorradbremsen macht, zeigen wir hier.

Motorrad-Bremsen tunen

Gute Bremsen am Motorrad sind die beste Lebensversicherung. Viele serienmäßige Motorradbremsen lassen sich noch weiter optimieren. Das gilt vor allem für Motorräder, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Stärkere Verzögerung und bessere Dosierbarkeit stehen deshalb bei den folgenden Tipps im Fokus, damit du in Zukunft sicherer und entspannter unterwegs sein kannst.

Generelle Tipps zum Bremsen

Bevor es an das Verändern der Bremsanlage geht, solltest du bedenken, dass viele Motorradfahrer die Möglichkeiten ihrer Bremsanlage gar nicht kennen, geschweige denn voll nutzen. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Am besten tastest du dich langsam an die Grenzen heran. Steigere nach und nach den Druck am Bremshebel. Dabei ist es egal, ob deine Übungsstrecke gerade trocken oder nass ist. Ideal für solche Übungen sind Großparkplätze oder Gewerbegebiete am Wochenende. Noch besser: Diverse Veranstalter bieten spezielle Brems Trainings an – auf abgesperrtem Übungsgelände unter fachkundiger Anleitung.

Bremsanlage optimieren und tunen

Die folgenden Tipps konzentrieren sich ausschließlich auf die Optimierung von hydraulischen Scheibenbremsen, die seit vielen Jahren Standard im Motorradbau sind. Alle Scheibenbremsen bestehen prinzipiell aus den gleichen Komponenten:

  • Bremshebel
  • Bremspumpe
  • Hydraulikleitung
  • Bremssattel/-zange mit Bremskolben
  • Bremsbeläge
  • Bremsscheiben

Wir zeigen dir, welche Komponenten für eine Optimierung infrage kommen und wie sich die Maßnahmen auf die Brems-Performance auswirken.


Achtung: Solltest du nicht über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, eine Bremse umzubauen, wende dich bitte an eine Fachwerkstatt oder hole dir professionelle Hilfe in deine Garage.


Sintermetall-Bremsbeläge

Sintermetall-Bremsbeläge

Bremsbeläge austauschen

Bremsbeläge bestehen aus einer Mischung verschiedener Inhaltsstoffe. Bei den so genannten organischen Bremsbelägen sind das vor allem Kohlenstoff-Verbindungen. Sintermetall-Bremsbeläge enthalten dagegen metallische Bestandteile, die unter hohem Druck in Form gepresst, eben gesintert werden. Welche Bremsbeläge an welchem Motorrad am besten funktionieren, hängt unter anderem von der Bremsscheibe, aber auch von der Abstimmung des ABS ab.

Generell sind organische Beläge etwas weicher (und preisgünstiger), was sich positiv auf die sanfte Dosierbarkeit auswirkt. Sintermetall-Beläge gelten als bissiger und stärker in der Wirkung, sind also die richtige Wahl für sportliche Spätbremser.

Weil Bremsbeläge Verschleißteile sind und sowieso regelmäßig getauscht werden müssen, lohnt es sich auf jeden Fall, mit verschiedenen Belägen zu experimentieren. Wie du den Wechsel selbst erledigen kannst, zeigen wir dir im Schraubertipp Bremsbeläge.


Schwimmend gelagerte Bremsscheibe

Schwimmend gelagerte Bremsscheibe

Bremsscheibe wechseln

Bestanden Bremsscheiben zu Anfang noch fast ausschließlich aus Gusseisen (Grauguss), hat sich heute Gussstahl als Material der Wahl durchgesetzt. Stahl rostet weniger und bietet bei entsprechender Legierung ähnlich gute Reibwerte wie Grauguss. Das Material spielt für die Optimierung der Bremsleistung also keine Rolle mehr. Wichtiger ist da schon die Form der Scheibe: Löcher und Schlitze vergrößern (in Relation zur Scheibenmasse) die Oberfläche. So kann die Reibungshitze beim Bremsen schneller abgegeben werden. Zusätzlich funktionieren die Löcher wie das Profil eines Reifens: Sie nehmen bei Regen Wasser auf, das sonst die Bremsleistung stark vermindern würde.

Mit Wasser hat übrigens auch eine „schwimmend gelagerte“ Bremsscheibe nichts zu tun. Der Begriff bezieht sich auf eine Halterung der Scheibe, die ein leichtes seitliches Spiel ermöglicht. Diese Form der Lagerung gehört zwingend zu Festsattelbremsen, während starre Bremsscheiben an so genannte Schwimmsattelbremsen gehören. Wie man Bremsscheiben wechselt zeigt dir der Schraubertipp Bremsscheiben ab.


Verstellbare Bremshebel

Verstellbare Bremshebel

Bremshebel umrüsten/einstellen

Manche Bremsprobleme haben eine ganz simple ergonomische Ursache: Ein Bremshebel, der nicht gut in der Hand liegt, ist auch nicht gut zu dosieren. Abhilfe schaffen einstellbare Brems- (und Kupplungs-)Hebel aus dem Louis Zubehör-Programm.

Die Nachrüst-Hebel gibt es in normaler Länge oder sportlich kurz sowie stufenlos längenverstellbar. Manche Modelle haben zusätzlich ein Gelenk, damit der Hebel bei einem Umfaller wegklappt statt abzubrechen. Der Umbau ist auch für weniger versierte Schrauber einfach und schnell zu bewerkstelligen. Wie das geht erklären wir im Schraubertipp CNC-Handhebel. Bremshebel müssen geprüft sein und werden in Verbindung mit einem Teilegutachten oder einer ABE geliefert Schraubertipp HU-Check und EU-Recht


Hier lassen sich die Fußbremshebel einstellen

Hier lassen sich die Fußbremshebel einstellen

Fußbremshebel einstellen

Ähnliches gilt für den Hebel der Fußbremse. Die meisten Hebel lassen sich recht einfach in der Höhe verstellen, sodass sie dem Fuß nicht im Weg stehen, aber bei Bedarf gut zu bedienen sind. Das funktioniert entweder über die Verzahnung der Hebel-Welle oder über die Einstellung des Bremsgestänges.

Hier lassen sich die Fußbremshebel einstellen

Hier lassen sich die Fußbremshebel einstellen


Aufrüsten auf Radialpumpen

Aufrüsten auf Radialpumpen

Bremspumpe auf Radialpumpe aufrüsten

Serienmäßig sind an vielen Motorrädern Axialbremspumpen verbaut. Bei teuren Sportmaschinen setzen die Hersteller eher auf Radialpumpen. Aus gutem Grund: die direkte Anlenkung der Pumpe erlaubt eine deutlich feinfühligere Dosierung der Bremskraft – eine enorme Hilfe in kitzligen Bremssituationen (z. B. Nässe oder Schräglage). Bei einigen Austausch-Pumpen lässt sich sogar die Übersetzung variieren:

  • Größerer Durchmesser = weniger Hebelweg, schnelleres Ansprechen
  • Kleinerer Durchmesser = mehr Hebelweg, feinere Dosierbarkeit

Stahlflex-Bremsleitung

Stahlflex-Bremsleitung

Bremsleitungen ändern

Abgesehen vom regelmäßigen Wechsel der Bremsflüssigkeit lohnt sich auch der Austausch der serienmäßig oft aus Gummi bestehenden Bremsleitungen. Diese verlieren mit den Jahren ihre Festigkeit.

Die Folge: Der Druck auf den Bremshebel drückt eher die Leitung auseinander als die Beläge auf die Scheibe. Darunter leidet die Dosierbarkeit und schlimmstenfalls die Bremsleistung. Die Lösung: Stahlflex-Leitungen. Wie der Name schon sagt sind diese Leitungen mit einem Stahlgeflecht ummantelt. Damit sind ein definierter Druckpunkt und bessere Dosierbarkeit garantiert.

Alles was du zum Wechsel auf Stahlflex-Bremsschläuche wissen musst, erklären wir im Schraubertipp Stahlflex-Bremsschläuche.


Bremszylinder schmieren

Bremszylinder schmieren

Bremse regelmäßig reinigen

Meistens wird die Bremsanlage nur beim Wechsel der Bremsbeläge gereinigt. Um die Bremsleistung zu erhöhen, sollte dieses häufiger passieren.

Durch Schmutz in der Luft und auf der Straße sammelt sich ein schmieriger Belag auf den Bremsscheiben. Mit Bremsenreiniger kann man diese fett- und staubfrei machen. Auch die Bremskolben sollten regelmäßig gereinigt und geschmiert werden. Hier sammelt sich gerne Bremsstaub an. In unserem Schraubertipp Bremsbeläge wird die Reinigung der Bremse näher beschrieben.


Das Louis Technikcenter

Solltest du eine technische Frage zu deinem Motorrad haben, wende dich gerne an unser Technik-Center. Dort hat man Erfahrung, Nachschlagewerke und Adressen ohne Ende.

Bitte beachten!

Bei den Schraubertipps handelt es sich um allgemeine Vorgehensweisen, die nicht für alle Fahrzeuge oder alle einzelnen Bauteile zutreffend sein können. Die jeweiligen Gegebenheiten bei dir vor Ort können unter Umständen erheblich abweichen, daher können wir keine Gewähr für die Richtigkeit der in den Schraubertipps gemachten Angaben übernehmen.

Wir danken für dein Verständnis.


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